Die 800 Mitglieder der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft Landwege sichern den Absatz von 30 Biohöfen im Raum Lübeck mit fünf eigenen Biomärkten. Ihr gemeinsames Ziel ist eine starke Verankerung regionaler Sortimente.

Bio aus nächster Nähe – der Slogan bringt das Landwege-Konzept auf den Punkt. Vor mehr als drei Jahrzehnten schlossen sich Biolandwirte und Konsumenten in der EVG Landwege zusammen, um sich für Biolebensmittel aus der Region stark zu machen. „Das Lübecker Umfeld war von jeher sehr offen für das Thema Regionalität“, sagt Klaus Lorenzen, Vorstandsmitglied der Landwege-Genossenschaft. Im Gegensatz zu den Foodcoops ging es den Genossen nicht darum, die Einkaufspreise für die Verbraucher zu optimieren. „Wir leben die Regionalität und die direkte Zusammenarbeit mit den Höfen sehr intensiv. Dies haben die Kunden in den letzten Jahren auch immer stärker zu schätzen gewusst“, so Lorenzen. In den Märkten der Genossenschaft sieht der Kunde den Bauern nicht nur als Bild an der Wand, sondern trifft ihn auch regelmäßig persönlich im Laden an.

Mehr als ein Drittel des Jahresumsatzes erwirtschaftet Landwege mit Lebensmitteln aus einem Umkreis von 70 Kilometern. Ein großes „R“ kennzeichnet die Produkte von den 30 Mitgliedshöfen, denn regional bedeutet bei Landwege von den eigenen Höfen. Mit Deckenhängern und einer großen Landkarte ist das regionale Angebot im Laden nicht zu übersehen. Mit vier Filialen in Lübeck sowie einem Markt in Bad Schwartau erwirtschaften die Genossen rund acht Millionen Umsatz. Ein wichtiges Erfolgskriterium ist für Klaus Lorenzen die Flexibilität des Konzeptes. „Wir haben uns weiterentwickelt und dabei manche ursprünglichen Modelle über den Haufen geworfen.“ So habe sich Landwege früh vom ausschließlichen Verkauf an Mitglieder verabschiedet und sich zudem im Jahr 2000 vom Zwei-Preissystem getrennt. Genossen und Nichtmitglieder zahlen im Laden seitdem die gleichen Preise für die Lebensmittel. Der Blick des Kunden werde sonst zu stark auf den Preis fokussiert, begründet Regionalkämpfer Lorenzen die Entscheidung. Der Fokus von Landwege sollte einfach stärker auf regionalem und fairem Handeln liegen. „Wir haben den Kunden schon viel zugemutet, doch der Großteil hat diese Schritte durchaus mitgetragen.“

Landwege-Mitglieder zahlen einmalig einen Genossenschaftsanteil, auf den sie eine Dividende erhalten. Diese Form der direkten Geldanlage in der Region gewann nach der Finanzkrise zunehmend an Bedeutung. Inzwischen haben viele Mitglieder ihre Anteile weiter erhöht. Für die Erzeuger-Mitglieder bietet die Genossenschaft einen zusätzlichen lokalen Absatzmarkt sowie ein gemeinsames Forum. Für die Kunden-Mitglieder bestehen die Vorteile in Hofbesuchen und exklusiven Veranstaltungen auf den Höfen. Neben der Genossenschaft ist Landwege seit 1987 zudem als gemeinnütziger Verein Landwege e.V. aktiv in der Bildungsarbeit tätig. Verein und Genossenschaft gemeinsam engagieren sich unter anderem für die gentechnikfreie Kommune Lübeck sowie Fair Trade Town und veröffentlichen das Magazin „Landwege aktuell“.

„Statt mit Billigpreisen werben wir mit politischem Engagement“, so Lorenzen. Den Werbepreisen der Filialisten könne man nichts entgegen halten und wolle es auch nicht. Dabei profitieren die Regional-Aktivisten bislang von ihrer Lage am Rand der Republik. Aktuell steigt die Genossenschaft durch die Weiterführung der Bäckerei Freibackhaus sowie die Entwicklung der hauseigenen Küche stärker in die eigene handwerkliche Verarbeitung ein – ein alternativer Weg, um die erforderlichen Verarbeitungskapazitäten für Bio in der Region nachhaltig zu sichern.

http://www.landwege.de

Landwege steht für „Bio aus nächster Nähe“. Dem Vorstands-Team der Erzeuger-Verbrauchergenossenschaft, Tina Andres und Klaus Lorenzen, ist die Nähe zum Erzeuger aber auch bei überregionalen Lieferanten „fairdammt“ wichtig.

Fotos: Landwege