Unser Wirtschaften wird sich ändern – allein schon um finanztechnische Risiken zu minimieren. Bei zukünftigen Investitionen wird die Finanzwelt Nachhaltigkeitsaspekte in den Fokus rücken.

„Die Wirtschaft von morgen muss innerhalb der planetaren Grenzen agieren. Dies hat mittlerweile selbst die Finanzwelt verstanden“, sagt Volkert Engelsman, Gründer und Geschäftsführer von Eosta.  Zukünftige Investitionen werde die Finanzbranche anhand von nachhaltigen Kriterien bewerten. „Dies geschieht nicht aus moralischen oder ökologischen Überlegungen, sondern rein aus rechnerischer Risikoabwägung“, so Engelsman.  „Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Unternehmen bekommen in Zukunft eine gesellschaftliche Verantwortung zugewiesen, die weiter geht, als für ihre Aktionäre Gewinn zu machen“, erklärt der Eosta-Chef in einem gemeinsamen Beitrag mit Paul Polmann, dem ehemaligen CEO von Unilever, in der niederländischen Tageszeitung NRC.

„Es geht hier nicht nur um eine Klimakrise, sondern auch um eine soziale Krise, die ein großes Reset braucht. Solange wir die Wohlstandskluft wachsen lassen, wo 5 Prozent der Menschheit so viel Vermögen hat wie die anderen 95 Prozent zusammen, werden wir das Problem nicht lösen“, erklärt Eosta-Chef Volkert Engelsman auf den Öko-Marketingtagen in der Akademie Schloß Kirchberg.

Das niederländische Unternehmen Eosta gilt als Europas größter Importeur, Vertreiber und Verpacker von biologisch angebauten Frischeprodukten. Mit der Nachhaltigkeitsblume misst und visualisiert das Biounternehmen das Engagement der Erzeuger in den verschiedenen Bereichen. Für jedes Blütenblatt gibt es detaillierte Indikatoren, die die individuelle Leistung sowohl quantitativ als auch qualitativ bewerten.

Die Übertragung von Natur in Finanzkennzahlen ist für auch Nachhaltigkeitsberater Tobias Bandel, Geschäftsführer von Terralytic, ein wichtiges Werkzeug als Transformationsbeschleuniger. „Wir leben in einem Jahrzehnt, in dem etwas passieren muss“, sagt Bandel. Die derzeitige Billigpreispolitik der Handelsseite schlage einige Jahre später dann bei den Verarbeitern durch. So leide beispielsweise auf den Tee- und Kaffeeplantagen die lokale Flora und Fauna in Folge der intensiven Düngung und des hohen Pestizideinsatzes. Gleichzeitig werde das Land unfruchtbarer und anfälliger für die Folgen von extremen Umwelteinflüssen. Die Lieferung von diesen Plantagen werde teurer, unzuverlässig und verursache regelmäßig Liefer-und Betriebsunterbrechungen. „Die Bewertung dieser Beschaffungsrisiken werden derzeit vom Finanzmarkt in die Unternehmensbewertung einbezogen. Die Investoren bemängeln das Fehlen der betriebswirtschaftlicher Sorgfaltspflicht und fordern entsprechende Präventivmaßnahmen für das Naturkapital“, so Bandel.

„Die Ernährungswirtschaft kann und muss einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem ökologische und ethische Kriterien noch stärker bei Anbau, Verarbeitung, Transport und Konsum landwirtschaftlicher Erzeugnisse angewendet, transparent dargestellt und glaubwürdig überprüft werden“, erklärt Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer Global Nature Fund, in Kirchberg. Dafür müssten die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden.

Nach Einschätzung von Eosta-Chef Engelsman wird der europäische Green Deal bereits zu großen Marktveränderungen führen. Das geplante neue EU-Steuerrecht ab dem Jahr 2023 werde Unternehmen zu kompletter Transparenz über Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Klima und einer Reihe sozialer Kriterien verpflichten: „Die genaue Matrix wird noch diskutiert, aber es wird in jedem Fall passieren.“

Engelsman freut sich, dass mit dem „neuen Normal“ auch endlich das Thema True Cost greifen kann. Die gesellschaftlichen Schäden können dann nicht mehr einfach von den Verursachern auf zukünftige Generationen abgewälzt werden. Der Verschmutzer komme nicht länger mit den Konkurrenzvorteil davon, sondern werde dann wahrscheinlich auch steuerlich für den verursachten Schaden bestraft.

 

Die verschwiegenen Kosten