Handel ist Wandel – dies spürt der Biofachhandel derzeit deutlich. Mit dem Vorstoß der Bio-Verbandslabel bei Lidl und Kaufland bricht ein neues Zeitalter an. Der Wettbewerb der Absatzkanäle steigt – bietet aber auch Chancen für neue Profilierungskonzepte. 

ReweBio wirbt schon lange mit dem Naturland-Logo. Nun zieht die Lidl Eigenmarke BioOrganic mit dem Bioland-Logo nach und Kaufland profiliert sich mit neuen Demeter-Artikeln. Der Ausbau des Sortimentes um das deutsche Premium-Bio soll neue Kundengruppen im Biosegment erschließen und Gelegenheitskäufer zu Stammkunden im konventionellen Lebensmittelhandel machen. Damit steht die Biobranche vor einem Umbruch: Bioprodukte von deutschen Anbauverbänden halten nahezu flächendeckend im konventionellen Handel Einzug. Alleine Lidl kommt auf mehr als 3000 Filialen, hinzukommen in der Schwarz-Gruppe noch 280 Kaufland-Warenhäuser.

Die Anbauverbände begründen den Ausbau der Partnerschaft mit dem LEH mit dem steigenden Angebot an Bioware. Nach Erhebungen der AMI hat der Ökolandbau in Deutschland 2017 deutlich an Boden gewonnen. Die Biofläche ist im Vergleich zu 2016 um rund 122.000 ha (+9,7 Prozent) gewachsen. Die Ackerflächen wurden das zweite Jahr in Folge ausgebaut. Von 510.000 ha im Jahr 2016 auf 560.000 ha im Jahr 2017. Auch die Tierhaltung wurde im Jahr 2017 deutlich ausgeweitet. Wie AMI ermittelte, wurden 18 Prozent mehr Bio-Milchkühe, 13 Prozent mehr Bio-Mastschweine und 11 Prozent mehr Bio-Schlachtrinder in Deutschland gehalten. Den höchsten Bio-Anteil haben mit 24 Prozent nach wie vor die Bio-Mutterkühe. Nach einem starken Zuwachs 2016 sind die Bestände 2017 nicht weitergewachsen. Der hohe Anteil bedeutet aber nicht, dass alle Tiere auch als Bio-Tiere verkauft werden. Insbesondere die Jungbullen gelangen häufig zur Mast auf konventionelle Betriebe.

Während das Bio-Angebot stieg, verlangsamten die Biohändler ihr Wachstumstempo, so das Ergebnis der Nielsen-Marktforscher in ihrem Jahresbericht zur Entwicklung im Lebensmittelhandel. Nach Nielsen-Erhebungen blieb der Biohandel im Jahr 2017 – bis auf den Biogroßhändler Weiling mit 10,2 Prozent – mit einstelligen Wachstumsraten hinter den Vorjahreswerten zurück. Die Berliner Bio Company weist eine Umsatzsteigerung von 8,3 Prozent aus, EBL folgt mit 7,7 Prozent auf Platz 3, VollCorner behauptet Platz 4 mit 6,5 Prozent. Dennree erwirtschaftet einen Zuwachs von 5,1 Prozent, gefolgt von LPG Biomarkt mit 5,0 Prozent. SuperBioMarkt aus Münster wächst lediglich um 1,5 Prozent, während Alnatura und Basic 2017 laut Nielsen Umsatzrückgänge hinnehmen mussten.

Damit liegen die Wachstumsraten im Biohandel insgesamt dennoch deutlich über denen der konventionellen Wettbewerber. So konnte der deutsche Lebensmittelhandel laut Nielsen seinen Umsatz im Jahr 2017 um knapp 2,2 Prozent auf 242,1 Milliarden Euro erhöhen, während der Food-Umsatz für das Jahr 2017 um 2,3 Prozent auf 200,6 Milliarden Euro (2017) stieg. Für den LEH ist Bio als Profilierungssegment daher sehr verlockend. Offen bleibt jedoch die Frage, ob die konventionellen Absatzwege auch dessen Werte erkennen. Bislang ist nicht erkennbar, dass der konventionelle Handel für Bio auf seine gewohnten Mechanismen verzichtet. „Der Preisdruck beim Bio-Grundsortiment steigt“, bestätigt ein Handelsmanager gegenüber der Lebensmittel Zeitung. Insbesondere dm und Aldi ringen laut LZ derzeit um die Preishoheit im Biosegment. Der Biohandel sucht derzeit nach Lösungen und setzt dabei vermehrt auf eine vertikale Integration. Ob Regionalwert AGs, SoLaWis, Mitgliederläden oder neue Genossenschaftskonzepte – das Interesse der Branche an qualitativen Konzepten für eine neue BioBewegung wächst.

 

Erhebungen der AMI zum Ökolandbau in Deutschland 2017

Nielsen-Erhebungen im Biohandel für 2017