Immer mehr Konsumenten erkennen, dass ihr persönliches Kaufverhalten der Schlüssel für ein zukunftsfähiges Wirtschaften ist. Für FairBio-Vorstand Boris Voelkel ist die „Charta für assoziatives Wirtschaften“ von Demeter die Basis für Fairänderung.

Das Interesse der Konsumenten an einem verantwortungsvollen Einkauf steigt: Bio boomt und das Thema Fairer Handel ist von Food längst bis zu Fashion vorgerückt. Mit jedem Kauf erteilen Verbraucher einen Auftrag, das Produkt erneut herzustellen und steuern damit das zukünftige Warenangebot. Doch wie bekommt der Verbraucher eine Ahnung von der gesamten Wertschöpfungskette, die es ihm ermöglicht, mündig einzukaufen? Der Demeter-Verband setzt hier auf Assoziatives Wirtschaften. Dieser Begriff steht für den Zusammenschluss von Konsumenten, Händlern und Produzenten mit dem Ziel, allen Beteiligten einen gerechten und angemessenen Anteil an der Wertschätzungskette zu ermöglichen. An Runden Tischen treffen sich alle Beteiligten dafür regelmäßig zum Austausch.

FairBio-Vorstand Boris Voelkel ist es wichtig, zu sinnhaften und langfristigen Strukturen in der Welt beizutragen: „Das ist kein reiner Altruismus. Das ist gesund. Das konkurrenzgetriebene Verhalten hat keine Zukunft. Nicht in der Politik, nicht in der Wirtschaft, nicht im Privaten. Es muss wieder darum gehen, echte Bedürfnisse zu erfüllen und dafür gerecht bezahlt zu werden.“ In der heutigen Zeit, in der die Wirtschaft mehr denn je auf Verdrängung, Maximierung und individuellen Profit ausgerichtet ist, ist für Boris Voelkel, in der Voelkel GmbH für den Einkauf verantwortlich, das Modell einer assoziativen Wirtschaft besonders aktuell und zukunftsträchtig.

Anstatt dem Kunden Bedürfnisse zu suggerieren, setzt das Konzept auf Dialog, Transparenz und gemeinschaftliches Gestalten. Da Demeterprodukte aber mittlerweile auch in großen Supermarktketten und über Online-Plattformen erhältlich sind, steht die assoziative Wirtschaftsweise aktuell vor einer neuen Herausforderung. „Es ist an der Zeit, gestaltend einzugreifen und neue Formen zu etablieren“, sagte Ueli Hurter, Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum.

„Wir wollen mit Demeter-Produkten nicht nur eine erlesene Nische erreichen. Doch wie schafft es eine gute Idee, die im Kleinen gut funktioniert, im Großen authentisch zu bleiben“, fragt Boris Voelkel. „Die klassischen Wirtschaftsmechanismen tun der Bio-Bewegung nicht gut. Es besteht die Gefahr, dass unsere Bewegung zu einer industriellen Landwirtschaft ohne Pestizide wird.“ Für den FairBio-Vorstand ist die Branche derzeit gefragt, es besser zu machen: „Wenn die Verbraucher sich mit authentischen Strukturen wie beispielsweise der Solidarischen Landwirtschaft commiten, kann man sehen, wie es gelingen kann.“

Das Demeter-Grundlagenforum hatte sich 2017 die Arbeit am praktischen Assoziativen Wirtschaften vorgenommen. Seit Ende vergangenen Jahres beschäftigen sich rund 70 Akteure aus allen Bereichen der biologisch-dynamischen Wertschöpfungskette mit der Ausarbeitung konkreter Schritte hin zu einer assoziativen Wirtschaftsbewegung. Ziel ist es, eine „Charta für assoziatives Wirtschaften für den Biohandel“ zu formulieren. Im ersten Schritt hat man dafür die Blickrichtung geändert und vom Endverbraucher zum Bauern geschaut. Erst wenn die Bedürfnisse des Verbrauchers deutlich werden, können sich Händler, Verarbeiter und Landwirte entsprechend danach richten und ein Produkt schaffen, das faire Bedingungen für alle Beteiligten ermöglicht.