Mit einer neuen Form der Fairteilung wollen die beiden Studenten Anna und Felix ein Zeichen gegen die Verschwendungskultur setzen. In ihrem kleinen Laden „Crummes Eck“ in Halle retten sie Lebensmittel vor der Tonne und bieten zugleich eine Anlaufstelle für nachhaltige Projekte.

Die junge Generation sucht nachhaltigere Wege. Sie empört sich über die negativen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems und favorisiert alternative Lösungen. Mit Sharingideen, Umsonstläden, Tauschbörsen, Upcyling und Lebensmittelrettung engagieren sich immer mehr junge Menschen für eine bessere Wertschätzung vorhandener Rohstoffe.

„Unser Laden eröffnet die Möglichkeit, die Welt ein kleines Stückchen lebensmittelfreundlicher zu machen“, erklären die beiden Lebensmittelretter und Initiatoren Anna und Felix. „Crummes Eck“ ist ein gemeinnütziges Startup, das über Crowdfunding finanziert wurde. Mit den freiwilligen Spendenbeiträgen für die geretteten Lebensmittel werden Raumkosten sowie Transportkosten abgedeckt. Alle anderen Arbeiten leistet eine Unterstützergruppe von rund 30 Menschen ehrenamtlich.

Inspiriert wurden das Gründerteam von „The Good Food“, dem ersten Laden dieser Art in Köln. „Dort haben wir gesehen, dass es funktionieren kann“, sagt Anna. Den letzten Anstoß gab dann der Film „Taste the waste“ auf einem Festival. Ab dann lautete die Devise für die beiden Initiatoren: Einfach machen, gestalten und anpacken.

Freitag, Samstag und Montag jeweils von 16 bis 20 Uhr ist der Laden im nördlichen Stadtteil Paulusviertel geöffnet. Im beliebten Quartier nahe der Uni wohnen viele Familien und Studenten. Auf knapp 100 Quadratmetern bietet das Crumme Eck neben dem Ladengeschäft zudem einen Raum für Initiativen, Lesungen sowie einen Bücher- und Kleidertauschmarkt. „Wir sind nicht nur ein Laden sondern eher ein Gemeinschaft mit gleichen Interessen“, erläutert Anna das Konzept.

Seit September 2018 retten Anna und Felix in Supermärkten, Bäckereien und Marktständen Lebensmittel vor der Tonne. „Wir gehen direkt in den Handel und holen die Ware dort ab, weil wir gerade auch dort das Bewusstsein schaffen wollen“, erklärt Felix. Das jeweilige aktuelle Angebot wird dann über Facebook und Instagram gepostet.

Nach einer Studie der Uni Stuttgart (2012) landen in Deutschland jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Der größte Teil fällt in den privaten Haushalten an. In der Lebensmittelindustrie und bei Großverbrauchern wie Restaurants und Kantinen fallen jeweils 17 Prozent der Lebensmittelabfälle an. Im Handel sind es fünf Prozent (550 000 Tonnen, aussortierte und gespendete Lebensmittel inklusive).

„Wir wollen ein Bewusstsein für das Problem Lebensmittelverschwendung schaffen und versuchen ein Beitrag zur Lösung zu sein“, sagt Felix und Anna ergänzt: „Unser Ziel ist, dass wir irgendwann überflüssig sind, weil keine Lebensmittel mehr vor den Tonnen gerettet werden müssen.“