Laut einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung wünschen sich 88 Prozent der Deutschen eine neue Wirtschaftsordnung.  „Reformen genügen nicht mehr, es braucht eine neue Vision“, sagt Christian Felber, Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie, im Vorwort seines gleichnamigen Buches.

Eigentum verpflichtet – sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Dieser Anspruch ist im deutschen Grundgesetz klar verankert. „Unsere Marktwirtschaft verstößt jedoch dagegen“, konstatiert Felber und wirbt für ein Wirtschaftssystem, das sich statt an Wachstum an Nachhaltigkeit und Solidarität orientiert: die Gemeinwohl-Ökonomie. Klimakrise, Verteilungskrise, Wertekrise – viele Menschen erkennen, dass dies Symptome einer ganzheitlichen Systemkrise sind, so Felber. Die Wirtschaft müsse daher menschlicher, sozialer, verteilungsgerechter, nachhaltiger, demokratischer – rundum ethischer werden.

In der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) streben die Wirtschaftsakteure nicht in Konkurrenz zueinander nach maximalem Finanzgewinn, sondern kooperieren mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls. Der Erfolg eines Unternehmens misst sich daran, wie sozial verantwortlich, ökologisch, demokratisch und solidarisch es agiert. Unternehmen, die mehr zum Gemeinwohl beitragen, erhalten rechtliche Vorteile, um auf den Märkten günstiger anbieten zu können als Wettbewerber, die weniger auf diese Werte achten.

Das Konzept dieser Form der ethischen Marktwirtschaft findet inzwischen weltweit eine breite Unterstützung. Acht Jahre nach der Gründung wird die Idee heute von mehr als 2300 Unternehmen und immer mehr Gemeinden, Hochschulen und Privatpersonen gefördert und umgesetzt. Die Gemeinwohl-Ökonomie hat unter Unternehmern schon einige Anhänger. Zu den größeren Betrieben zählen in Deutschland die Sparda-Bank München oder der Outdoorhersteller Vaude. Die Stadt Stuttgart agiert als Vorreiter im kommunalen Bereich und hat bereits vier Kommunalbetriebe gemeinwohlbilanziert. Greenpeace Deutschland stellte seine erste Gemeinwohl-Bilanz vor, als ungefähr 500. Organisation weltweit.

Auch in der Biobranche finden sich bereits einige Unternehmen, die eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt haben. Beispielsweise Märkisches Landbrot und unser FairBio-Mitglied Cibaria. Im einem Interview haben wir Cibaria-Chefin Rike Kappler zur praktischen Umsetzung der GWÖ-Bilanz in ihrem Unternehmen befragt. Hier geht es zum Cibaria-Interview.

Weitere Infos zur Gemeinwohl-Ökonomie:

Kurzinterview mit Christian Felber in der Sendung Aspekte /ZDF:

https://www.youtube.com/watch?v=xyTLrXZtHow

https://www.ecogood.org

https://www.piper.de/buecher/gemeinwohl-oekonomie-isbn-978-3-492-31236-3